Probleme während der Ausbildung
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können Sie verschiedene Konflikte während der Ausbildung konkretisieren und einordnen.
können Sie erste Schritte zur Lösung des Konfliktes einleiten.
Was sind Konflikte?
„Konflikte sind nicht von vornherein negativ zu beurteilen. Vielmehr ist festzustellen, dass Konflikte alltäglich sind, ja zum Leben gehören. Überall, wo Menschen zusammenleben, und ihre unterschiedlichen Interessen aufeinanderprallen, entstehen Gegensätze, mithin auch Konflikte.“
„Konflikte sind ein bedeutender Motor für die Fortentwicklung. Viele für das Überleben einer Gesellschaft elementaren Verhaltensweisen werden erst durch Konflikte und deren gewaltfreie Bewältigung erlernt.“
Wie und wo entstehen Konflikte?
Es gibt verschiedene Gründe für einen Konflikt in der Ausbildung. Diese können
- im Ausbildungsberuf an sich,
- in der Ausbildung im Speziellen,
- im Verhalten des Azubis oder
- im Verhalten des Teams begründet sein.
- Nicht zu vergessen eine Vielzahl von persönlichen Problemen, deren Auswirkungen ebenfalls den Ausbildungsverlauf beeinflussen
(1) - im Beruf begründet
- es ist der falsche Ausbildungsberuf
- kein Interesse mehr am Beruf
- fehlende Zukunftsperspektiven
(2) - in der Ausbildung begründet
- im Verlauf der Ausbildung / andere Vorstellungen
- Ausbildungsqualität (eintönige Arbeiten oder ausbildungsfremde Arbeiten)
- unklare Anweisungen oder Arbeitsabläufe
(3) - im Verhalten des Azubis begründet
- unzuverlässig / unpünktlich
- unordentlich
- fehlende Motivation
- unter- oder überfordert
- fehlende Lernleistungen
(4) - im Verhalten des Ausbildungsteams begründet
- Einstellung / Generationsunterschiede
- Betriebsklima
- Umgangston
- persönliche Probleme
(5) - persönliche Probleme können sein
- Konflikte in der Familie
- Konflikte mit Freunden
- chronische Erkrankungen
- Selbstwertprobleme
Erkennen von Konflikten
Wichtig ist es, rechtzeitig Konflikte zu erkennen, um schnell einschreiten zu können. Bestimmte Verhaltensweisen können offen oder verdeckt auf einen Konflikt hinweisen.
Diese können sein:
- Desinteresse
- Distanziertheit
- niedrige Motivation, Häufung von Fehlern
- gesteigerte Krankenstände, Kurzkrankheiten
- sozialer Rückzug aus dem Team
- Zunahme der Gerüchteküche
- Seitenhiebe und subtile persönliche Angriffe
- laut geäußerter Zweifel/Widerstand
Achten Sie aufmerksam auf Veränderungen im Verhalten des Azubis aber auch auf das des Teams. Jeder Konflikt, jedes Problem führt zu beiderseitiger Unzufriedenheit.
Jeder Auszubildende ist individuell, ebenso ist jeder Konflikt, jedes Problem innerhalb einer Ausbildung sehr individuell.
Weitere Infos zur Konfliktentstehung und erste Anzeichen
Verallgemeinern Sie Probleme nie!
Gehen Sie den Dingen auf den Grund. Nehmen Sie jedes Anzeichen ernst und nehmen Sie Ihren Azubi ernst. Nur so finden Sie eine Lösung.
Auf Grund der Vielzahl unterschiedlicher möglicher Konflikte möchten wir uns hier nur auf einige der am häufigsten auftretenden Problemen konzentrieren.
Statistisch betrachtet sind die häufigsten Konflikte:
[1] Unentschuldigtes Fehlen
[2] Demotivation
[3] Legale Drogen
[4] Illegale Drogen
[5] Diebstahl
In einzelnen Lernbausteinen werden wir näher auf diese jeweiligen Problemfelder, deren Auswirkungen auf die Ausbildung und mögliche Lösungsansätze eingehen.
Grundsätzlich gilt aber - Probleme beeinflussen in jedem Fall den Ausbildungsalltag negativ. Konflikte bergen aber auch die Möglichkeiten für Veränderungen und Wachstum. Problematisch sind Konflikte nur, wenn wir sie aus verschiedenen Gründen ignorieren. Dies kann zur Eskalation bis hin zum Ausbildungsabbruch führen.
Fünf Tipps für den Umgang mit Konflikten
1. Nicht aussitzen, sondern angehen
Bleiben Probleme unbemerkt, wachsen sie an und sind dann nur noch schwer zu lösen. Je früher Sie etwas unternehmen, umso leichter ist es sie aus der Welt zu schaffen. Achten Sie auf Änderungen im Verhalten. Nutzen Sie Feedbackgespräche als Stimmungsbarometer.
2. Verdeutlichen Sie die Spielregeln
Regeln unterstützen dabei, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Wer sie nicht kennt, kann sich auch nicht regelkonform verhalten.
Geben Sie dem Azubi bereits am 1. Tag eine schriftliche Liste aller Regeln. Erklären Sie, wozu sie gut sind. Erinnern Sie ihn öfters wieder daran.
3. Coachen Sie Ihren Azubi
Offen mit Konflikten umgehen und sie gemeinsam lösen, kann nicht jeder. Einige Jugendliche haben dies nie gelernt. Thematisieren Sie das Verhalten Ihres Azubis in Feedbackgesprächen: nicht als Vorwurf, sondern als Impuls darüber nachzudenken, wie es besser geht.
4. Nutzen Sie Konflikte als Chance
Konflikt gelöst! Wer das sagen kann, fühlt sich gut: erleichtert bis euphorisch. Doch nicht nur das. Jeder Zwist, jede Unstimmigkeit bietet die Chance, etwas anders und besser zu machen als bisher. Besonders gut gelingt das, wenn man gemeinsam eine Lösung findet.
5. Suchen Sie nach den Gründen für den Konflikt
Konflikte sind wie Eisberge. Sichtbar ist immer nur ein kleiner Teil. Analysieren Sie nicht nur das Verhalten, suchen Sie auch nach den Annahmen, Haltungen, Interessen und Zielen der Beteiligten. Nur dann kann es gelingen, einen Konflikt sachlich zu lösen.
Das Konfliktgespräch mit dem Azubi und eventuell weiteren Beteiligten ist bei der Lösung von Konflikten unabdingbar und steht an erster Stelle ihrer geplanten Lösungsansätze.
Mögliche Lösungsansätze:
- Überblick über den Konflikt und die bisherigen Auswirkungen auf die Ausbildung verschaffen
- Konfliktgespräch führen
- Ursachen rausarbeiten
- Gründe für die Ursachen benennen
- mögliche Konsequenzen aufzeigen
- gemeinsame Lösungsansätze finden
- Protokoll inkl. Maßnahmeplan erstellen
Konkretere konfliktbezogene Lösungsansätze finden Sie in den weiteren Lernhappen.
Zusammenfassung:
Konflikte sind alltäglich und nicht grundsätzlich negativ; sie entstehen, wenn unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und können als Motor für persönliche und gesellschaftliche Entwicklung dienen.
Konflikte können aus verschiedenen Bereichen resultieren
Es ist entscheidend, die wichtigen Anzeichen für Konflikte frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen.
Konflikte sollten aktiv angegangen und als Chancen für Verbesserungen betrachtet werden.
Ein strukturiertes Konfliktgespräch ist der erste Schritt, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Quellen:
Quellen
Internetseite des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) - „Leando“ - Leitfaden für ausbildende Fachkräfte - 2. Auflage 2024
DIHK-Bildungs-GmbH und ZWH - Konflikt im Betrieb | „Stark für Ausbildung“
„Die Handwerker Fibel“ Band 4 „Berufs- und Arbeitspädagogik“ Holzmann Medien/Buchverlag
