Lernschwierigkeiten in der Ausbildung: So führen Sie Ihre Azubis zum Erfolg

Die Ausbildung im Handel oder Handwerk ist anspruchsvoll. Wenn bei Azubis die Noten absacken oder die Motivation schwindet, stehen Ausbilder:innen oft vor einer Herausforderung: Wie erkenne ich die Ursachen und welche Hebel kann ich ansetzen?

Lernschwierigkeiten sind kein Zeichen mangelnder Intelligenz, sondern oft das Resultat von Lücken im Basiswissen, Prüfungsangst oder einer falschen Lernmethodik. Als Ausbilder:in sind Sie hier Mentor:in und Weichensteller:in zugleich.

Wie sollte man jedoch auf die Lernschwierigkeiten als Ausbilder:in eingehen? Hier sind drei konkrete Schritte, die Sie sofort umsetzen können:

Schritt A: Die Ursachenanalyse (Das 4-Augen-Gespräch)

Gehen Sie weg von Vorwürfen („Sie müssen mehr lernen!“) hin zur Analyse. Fragen Sie gezielt: „In welchem Moment im Unterricht schalten Sie ab?“ oder „Liegt es am Verständnis des Textes oder an der mathematischen Formel?“. Bereiten Sie das Gespräch mit Fakten (z. B. Berufsschulnoten, Bewertungsbögen, etc.) gut vor, zeigen Sie Verständnis, indem Sie zuhören, anstatt zu dozieren und vereinbaren Sie gemeinsam ein (möglichst dokumentiertes) Ziel und einen Fahrplan dahin. Signalisieren Sie abschließend Vertrauen in die Fähigkeiten der Azubis und Ihre Unterstützungsangebote.

Schritt B: Lerninhalte „verinseln“

Große Stoffmengen wirken einschüchternd. Zerlegen Sie komplexe Arbeitsabläufe in Häppchen. Lassen Sie die Azubis eine Aufgabe erst erklären (Theorie), dann vormachen (Praxis) und schließlich dokumentieren. Nutzen Sie gerade bei praktischen Aufgaben die 4-Stufen-Methode: Vorbereiten, Vormachen, Nachmachen, Üben. Bei Inhalten der Berufsschule gelten die gleichen didaktischen Prinzipien. Gehen Sie vom einfachen zum schwierigen, dabei ist es wichtig, dass die einfachen Grundlagen sitzen müssen. Also üben Sie diese mit den Auszubildenden.

Schritt C: Zeitfenster schaffen

Lernen nach Feierabend scheitert oft an der Konzentration. Reservieren Sie im Dienstplan fest integrierte „Lernstunden“ (z. B. 90 Minuten pro Woche), in denen die Azubis im Betrieb Berichtshefte pflegen oder Fachtheorie büffeln dürfen – bei vollem Gehalt. Das signalisiert Wertschätzung.

Was ist, wenn die betrieblichen Maßnahmen jedoch nicht fruchten? Um die Auszubildenden nicht zu verlieren, sollten Sie externe Angebote in Betracht ziehen:

Da sind zunächst einmal die staatlich geförderten Angebote: Hilfe zum Nulltarif. Die Bundesagentur für Arbeit bietet kraftvolle Instrumente an, die sowohl den Betrieb als auch die Azubis finanziell und organisatorisch entlasten.

  • AsA (Assistierte Ausbildung): Das wichtigste Tool. Es umfasst Nachhilfe in Fachtheorie, Deutschförderung oder sozialpädagogische Begleitung. Diese sind für Betrieb und Azubis komplett kostenlos. Kontaktieren Sie die Berufsberatung der zuständigen Arbeitsagentur. Ein Klick auf das Portal der Arbeitsagentur oder ein Anruf genügt, um den Bedarf anzumelden.
  • Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen (VerA): Der Senior Experten Service (SES) stellt ehrenamtliche Mentoren (oft Handwerksmeister:innen im Ruhestand) zur Verfügung. Über die Website https://vera.ses-bonn.de/ eine:n Mentor:in anfordern. Besonders stark bei Motivationsproblemen.

Manchmal muss es schneller gehen oder individueller sein, als es staatliche Stellen erlauben. Da sind frei finanzierte Möglichkeiten sinnvoll, mit denen man Flexibilität gewinnt.

  • Private Nachhilfe & Fachkurse: Private Institute bieten gezielte Prüfungsvorbereitungen an. So beispielsweise KOMPASS für den Handel (https://kompass24.net/fortbildung/pruefungsvorbereitung/) und njumii für das Handwerk (https://www.njumii.de/)
  • Digitale Lernplattformen: Investieren Sie in Lizenzen für fachspezifische Apps (z. B. spezifische Prüfungstrainer für Handwerksberufe oder für Kaufleute).
  • Inhouse-Mentoring: Erfahrene Gesellen oder Azubis aus dem 3. Lehrjahr unterstützen die „Neuen“ (Lernen durch Lehren).

Fazit: Investition statt Kostenfaktor

Ein Azubi, der die Prüfung besteht, ist die günstigste Fachkraft, die Sie bekommen können. Durch die Kombination aus staatlicher Förderung (AsA flex), moderner Software und Ihrer Rolle als Lernbegleiter:in sichern Sie die Zukunft Ihres Betriebs.

Wichtiger Hinweis: Dokumentieren Sie alle Unterstützungsmaßnahmen im Berichtsheft. Dies ist bei einer eventuellen Verlängerung der Ausbildungszeit gegenüber der Kammer (IHK/HWK) von großer Bedeutung.

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