5.1. AEVO – Das ist neu

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Nach der Lerneinheit: :books:

:check_mark: kennen Sie grundlegenden Änderungen der AEVO.
:check_mark: können Sie die veränderten Inhalte des Rahmenplans im Ausbildungsprozess integrieren.


Was ist neu bei der AEVO?

In der Welt der Ausbildereignung gab es eine bedeutende Modernisierung. Wichtig zu wissen: Die eigentliche Verordnung (AEVO) als Gesetzestext blieb weitgehend gleich, aber der Rahmenplan, also die konkreten Lernziele und Prüfungsinhalte, wurde massiv überarbeitet. Diese Änderungen sind seit Juli 2023 für alle Prüfungen verbindlich. Hier ist die kompakte Zusammenfassung der wichtigsten Neuerungen:

1. Inhaltliche Schwerpunkte (Themen-Update)
Der Fokus hat sich von der reinen Wissensvermittlung hin zur Lernbegleitung verschoben. Neue Kernbereiche sind:

  • Digitalisierung: Einsatz digitaler Medien, mobiles Lernen und die Vermittlung digitaler Kompetenzen an Azubis
  • Nachhaltigkeit: Ökologische, ökonomische und soziale Aspekte müssen nun aktiv in die Ausbildung integriert werden.
  • Heterogenität & Diversität: Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, interkulturelle Kompetenz und Inklusion
  • Ausbildungsmarketing: Da der Fachkräftemangel drückt, gehört nun auch das aktive „Werben“ um Azubis (auch via Social Media) zum Stoff.

2. Geänderte Gewichtung in der schriftlichen Prüfung
Früher waren alle vier Handlungsfelder (HF) in etwa gleich gewichtet. Seit Juli 2023 sieht die Verteilung der Punkte/Fragen meist so aus:

  • HF 1 (Planen): ca. 15 %
  • HF 2 (Vorbereiten/Einstellung): ca. 20 %
  • HF 3 (Durchführen): 50 % (Dieser Teil ist jetzt das Herzstück der Prüfung!)
  • HF 4 (Abschließen): ca. 15 %

3. Modernisierung der praktischen Prüfung
Auch im praktischen Teil (Unterweisung oder Präsentation) weht ein frischer Wind:

  • Methodenfreiheit: Die klassische „4-Stufen-Methode“ ist nicht mehr das Nonplusultra. Es wird heute viel stärker darauf geachtet, dass die Methode zum Thema passt (z. B. Lehrgespräch, Moderation oder Rollenspiel).
  • Rollenwechsel: In manchen Kammern ist es nun explizit erlaubt, dass Prüfer in der Simulation Rollen übernehmen (z. B. als „schwieriger Azubi“ oder „Abteilungsleiter“), um die Situation realistischer zu gestalten.

4. Was weggefallen ist
Um Platz für die neuen Themen zu schaffen, wurden veraltete oder zu theoretische Inhalte gestrichen, darunter:

  • Details zur außerbetrieblichen/schulischen Ausbildung
  • Haftungsfragen nach BGB (da diese oft zu tief ins Juristische gingen)
  • Europäische Ausbildungssysteme im Detail

:light_bulb: Tipp für die Vorbereitung: Wenn Sie alte Lernmaterialien (vor 2024) nutzt, seien Sie vorsichtig. Besonders bei Themen wie Digitalisierung und der Punkteverteilung im Handlungsfeld 3 könnten diese veraltet sein.


Welche Änderungen gibt es im Rahmenplan

Der Rahmenplan wurde nicht nur oberflächlich angepasst, sondern strukturell modernisiert, um den Ausbilder 4.0 abzubilden. Man hat sich von der rein administrativen Verwaltung von Azubis wegbewegt, hin zu einer dynamischen Rolle als Lernbegleiter und Coach.

Hier sind die konkreten Änderungen in den vier Handlungsfeldern im Detail:

HF 1: Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
Hier liegt der Fokus nun viel stärker auf der strategischen Planung in Zeiten des Fachkräftemangels.

  • Ausbildungsmarketing: Sie müssen jetzt wissen, wie man Zielgruppen (Gen Z) anspricht, z. B. über Social Media oder Kooperationen mit Schulen.
  • Eignung des Betriebs: Es geht nicht mehr nur um Werkbänke, sondern auch um die technische Ausstattung für mobiles Arbeiten und digitales Lernen.
  • Rechtliches: Aktualisierungen bei den rechtlichen Grundlagen (z. B. Mindestausbildungsvergütung, Teilzeitausbildung)

HF 2: Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung mitwirken
Dieses Feld wurde um soziale und moderne Recruiting-Komponenten erweitert.

  • Diversität und Inklusion: Der Umgang mit Vielfalt (kultureller Hintergrund, Behinderungen, unterschiedliche Bildungsbiografien) ist nun ein fester Bestandteil.
  • Auswahlverfahren: Moderne Methoden wie Assessment-Center oder probeweises Arbeiten werden stärker thematisiert als das klassische „Sichten von Papierzeugnissen“.
  • Digitaler Ausbildungsplan: Die Erstellung und Pflege von Plänen mittels Software-Lösungen wird vorausgesetzt.

HF 3: Ausbildung durchführen
Dieses Handlungsfeld hat das massivste Upgrade erfahren.

  • Vom Lehrer zum Lernbegleiter: Weg von der „Frontalinstruktion“, hin zur Förderung von selbstorganisiertem Lernen; Sie sollen Azubis befähigen, sich Wissen selbst zu erschließen.
  • Digitale Lernmedien: Der aktive Einsatz von VR-Brillen, Lern-Apps, Wikis oder YouTube-Tutorials in der Ausbildung ist nun prüfungsrelevant.
  • Nachhaltigkeit: Die „Standardberufsbildposition“ zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit muss in die Unterweisungen einfließen.
  • Umgang mit Lernschwierigkeiten: Frühwarnsysteme für Krisen und der Umgang mit psychischen Belastungen oder Motivationslöchern werden detaillierter behandelt.

HF 4: Ausbildung abschließen
Hier wurde entschlackt und modernisiert.

  • Prüfungsvorbereitung: Unterstützung bei gestreckten Abschlussprüfungen (Teil 1 und Teil 2)
  • Karriereplanung: Die Beratung zu Fortbildungen (Fachwirt, Meister, Studium) nach der Ausbildung nimmt einen höheren Stellenwert ein.
  • Zeugniserstellung: Rechtssichere Erstellung, aber auch das Führen von professionellen Abschlussgesprächen

Was bedeutet das für die praktische Prüfung?

Alt (vor 2024)
Fokus: Gehorsam & Wissen
Methodik: 4-Stufen-Methode dominiert
Medien: Whiteboard & Beamer
Themen: Starr nach Lehrplan

Neu (ab Juli 2024)
Fokus: Kompetenz & Selbstständigkeit
Methodik: Methodenmix (Projekt, Simulation, etc.)
Medien: Kollaborative Tools & Tablets
Themen: Agilität, Nachhaltigkeit, KI-Tools

:light_bulb: Wichtiger Hinweis: In der praktischen Prüfung (Unterweisung) sollten Sie jetzt unbedingt begründen können, warum Sie eine bestimmte digitale Komponente oder eine nachhaltige Denkweise in Ihre Aufgabe eingebaut haben.


Zusammenfassung:

:check_mark: Mit der Modernisierung der AEVO stand nicht nur die Überprüfung und Aktualisierung der inhaltlichen Schwerpunkte im Fokus, sondern auch die Neugewichtung der Inhalte in der schriftlichen Prüfung sowie die Veränderung der praktischen Prüfungsdurchführung.
:check_mark: Berücksichtig werden nun Themen, wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Diversität sowie Ausbildungsmarketing, um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
:check_mark: Der Fokus verschiebt sich weg von der reinen Wissensvermittlung hin zur Förderung des selbstständigen Lernens im Ausbildungsprozess.

Quellen

:orange_book: Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb): Bundesanzeiger - https://www.bibb.de/dokumente/pdf/HA135.pdf

:orange_book: Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK): DIHK-Rahmenplan: Entsprechungsliste - https://www.ausbilderwissen.com/wp-content/uploads/2023/07/AEVO_Entsprechungsliste_Rahmenplan_2023.pdf

:orange_book: Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK): DIHK-Rahmenplan: Synopse - https://www.ihk-nuernberg.de/fileadmin/IHK_Nuernberg/Weiterbildungspruefungen/AdA/synopse-ada-rahmenplan-2023.pdf