5.1.1. Digitalisierung 4.0

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Nach der Lerneinheit: :books:

:check_mark: kennen Sie die Bedeutung von Digitalisierung 4.0 in der Ausbildung sowie dazu relevanten In-halte der AEVO.
:check_mark: können Sie die Entwicklung der digitalen Kompetenzen Ihrer Auszubildenden gezielt fördern.


Was bedeutet Digitalisierung 4.0 in der Ausbildung?

Digitalisierung 4.0 bezeichnet die Transformation der beruflichen Bildung durch den Einsatz vernetzter, digitaler Technologien (wie KI, VR/AR, Cloud-Systeme und IoT). Ziel ist es, selbstgesteuertes, ortsunabhängiges und kollaboratives Lernen zu ermöglichen, bei dem Ausbildende vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter werden, um Azubis auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, in der Mensch und Maschine in Echtzeit interagieren.

In der Ausbildungswelt (oft als Education 4.0 bezeichnet) verschieben sich die Anforderungen massiv:

  1. Prozessverständnis statt Inselwissen: Azubis müssen nicht nur wissen, wie man eine Schraube dreht, sondern verstehen, wie ihr Handeln den gesamten digitalen Datenstrom im Unternehmen beeinflusst.
  2. Digitale Souveränität (Kompetenz): Es geht nicht mehr nur darum, ein Programm zu bedienen, sondern die Logik dahinter zu verstehen, Daten kritisch zu bewerten und sicher in digitalen Netzwerken zu agieren. Die Fähigkeit, mit Softwaretools, KI-Assistenten und digitalen Schnittstellen umzugehen, wird zur Grundvoraussetzung (Digitale Souveränität).
  3. Lebenslanges Lernen: Da sich Technologien in 4.0-Umgebungen rasant entwickeln, ist die wichtigste Kompetenz das „Lernen lernen“.
  4. Vernetze Lernorte (Hybridität): Die Grenze zwischen Betrieb, Berufsschule und Zuhause verschwindet. Durch Cloud-Plattformen und mobile Endgeräte ist der Zugriff auf Lerninhalte jederzeit und überall möglich.

Was steht in der AEVO zum Thema Digitalisierung?

1. Der neue Fokus: Von der Unterweisung zur Lernbegleitung
Die Digitalisierung verändert nicht nur die Werkzeuge, sondern die gesamte Rolle des ausbildenden Personals.

  • Früher: „Vormachen – Nachmachen“ (4-Stufen-Methode im Fokus)
  • Heute: Gestaltung von Lernsituationen, in denen Azubis selbstständig planen, durchführen und kontrollieren.
  • Kernziel: Förderung der digitalen Handlungskompetenz :right_arrow: Digitalisierung ist kein „Zusatzthema“ mehr, sondern integraler Bestandteil aller Handlungsfelder.

2. Rechtliche & Gesetzliche Neuerungen (BBiG & BVaDiG)
Durch das Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz (BVaDiG) wurden wichtige Punkte im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankert, die Sie als ausbildende Person kennen müssen:

  • Mobile Ausbildung - Rechtlich abgesichert: Teile der Ausbildung können im Homeoffice oder mobil stattfinden, sofern das Ausbildungsziel nicht gefährdet wird.
  • Digitale Endgeräte - Betriebe sind verpflichtet, notwendige Hardware (Laptops, Tablets) und Software kostenlos zur Verfügung zu stellen (§ 14 Abs. 1 BBiG).
  • Digitales Zeugnis - Ausbildungszeugnisse können nun elektronisch (mit qualifizierter Signatur) ausgestellt werden, sofern der Azubi zustimmt.
  • Virtuelle Prüfungen - Ab 2025 können Prüfende unter bestimmten Bedingungen per Videokonferenz an Prüfungen teilnehmen.

3. Didaktik & Methodik im digitalen Raum
Im Handlungsfeld 3 (Ausbildung durchführen) liegt der Fokus nun verstärkt auf hybriden Lernumgebungen.

  • Virtuelle Lernorte: Nutzung von Lernplattformen (LMS), Virtual Reality (VR) oder Lern-Apps zur Prüfungsvorbereitung
  • Kollaborationstools: Einsatz von digitalen Boards (z. B. Miro, Padlet) oder Projektmanagement-Software, um die Zusammenarbeit zu fördern
  • Medienkompetenz: Ausbildende Personen müssen Azubis anleiten, Informationen aus dem Netz kritisch zu bewerten (Fake News vs. Fachquelle).

4. Die 4 Handlungsfelder im „Digital-Check“
Hier sehen Sie, wo die Digitalisierung im AEVO-Rahmenplan konkret verankert ist:

  1. HF 1 (Voraussetzungen prüfen): Eignung des Betriebs auch hinsichtlich der technischen Ausstattung prüfen.
  2. HF 2 (Vorbereitung): Digitales Ausbildungsmarketing und Auswahlverfahren via Online-Assessments oder Video-Interviews
  3. HF 3 (Durchführung): Einsatz digitaler Medien; Förderung selbstgesteuerten Lernens in virtuellen Räumen
  4. HF 4 (Abschluss): Dokumentation der Kompetenzen in digitalen Berichtsheften und Vorbereitung auf (teil-)digitale Prüfungsformate

Die „Checkliste Digitale Ausbildung“

:stop_button: Sind alle meine Azubis mit mobilen Endgeräten ausgestattet?
:stop_button: Nutzen wir ein digitales Berichtsheft (Pflicht zur Bereitstellung durch den Betrieb)?
:stop_button: Habe ich feste Kommunikationsregeln für das mobile Arbeiten (Erreichbarkeit)?
:stop_button: Nutze ich neben klassischen Methoden auch adaptive Lernmedien?

:light_bulb: Wichtiger Hinweis: Trotz aller Digitalisierung bleibt der Datenschutz (DSGVO) und das Recht auf Nichterreichbarkeit in der Freizeit ein zentrales Thema in der Unterweisung.


Digitale Souveränität

Um in der digitalen Arbeitswelt kompetent agieren zu können, benötigen Azubis das notwendige Knowhow. Während Medienkompetenz eher das „Wie“ und „Warum“ der Mediennutzung (Kritik, Gestaltung) beschreibt, ist die digitale Kompetenz ein breiter gefasster Begriff. Er umfasst alle Fähigkeiten, die notwendig sind, um in einer digitalisierten Welt – privat wie beruflich – sicher und souverän zu agieren. Man kann sie vereinfacht in fünf Kernbereiche unterteilen (orientiert am europäischen Referenzrahmen DigComp):

1. Umgang mit Daten und Informationen

  • Suchen & Filtern: Gezielte Recherche in Suchmaschinen oder Datenbanken
  • Bewerten: Echtheit und Relevanz von Daten prüfen (Informationsqualität)
  • Speichern: Daten strukturiert ablegen und verwalten (Cloud-Strukturen)

2. Kommunikation und Zusammenarbeit

  • Interagieren: Sicherer Umgang mit E-Mail, Messengern und Videotools
  • Teilen: Dokumente in Echtzeit gemeinsam bearbeiten (z. B. Google Workspace, MS Teams)
  • Netiquette: Wissen, welche Verhaltensregeln im digitalen Raum gelten

3. Erstellung digitaler Inhalte

  • Produzieren: Texte, Tabellen, Bilder oder Videos erstellen
  • Urheberrecht: Wissen, was man rechtlich nutzen und teilen darf (Lizenzen)

4. Sicherheit*

  • Schutz der Geräte: Passwörter, Virenscanner, Updates
  • Datenschutz: Bewusstsein für die eigene Privatsphäre und die der Kunden/Azubis
  • Gesundheit: Digitale Überlastung vermeiden (Digital Detox)

5. Problemlösung*

  • Technisches Verständnis: Einfache IT-Probleme selbst lösen können
  • Strategie: Wissen, welches digitale Werkzeug für welches Problem die beste Lösung ist

:light_bulb: Der entscheidende Aspekt für dich als Ausbilder: Digitale Kompetenz ist die* *Voraussetzung, damit ein Azubi in der „Digitalisierung 4.0“ überhaupt arbeitsfähig ist. Ohne diese Basis kann er vernetzte Prozesse nicht steuern.
Wenn Sie weiterführende Informationen zum Thema „Digitale Kompetenzen“ suchen, können wir Ihnen unsere Kategorie „Medienkompetenz“ im Ordner „Wissen“ empfehlen.


Zusammenfassung:

:check_mark: Die AEVO-Änderungen verpflichten Ausbildende, die digitale Handlungskompetenz zu fördern und mobile Ausbildung (Homeoffice) rechtlich sowie didaktisch zu begleiten.
:check_mark: Der Fokus verschiebt sich von reiner Wissensvermittlung hin zur Lernbegleitung. In hybriden Lernumgebungen gestalten Ausbilder nun Lernprozesse, die Selbstständigkeit und den sicheren Umgang mit digitalen Werkzeugen in den Mittelpunkt stellen.
:check_mark: Digitale Kompetenzen, wie Medienkompetenz, ist die Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung 4.0 in der Ausbildung.


Quellen

:orange_book: Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb): Bundesanzeiger - https://www.bibb.de/dokumente/pdf/HA135.pdf

:orange_book: Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb): Berufsbildung 4.0 – Digitalisierung der Arbeitswelt - Berufsbildung 4.0 Digitalisierung | BIBB

:orange_book: Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb) – Leando: Neue Medien – Leando | Digitaler werden – neue Medien nutzen

:orange_book: Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK): DIHK-Rahmenplan: Entsprechungsliste - https://www.ausbilderwissen.com/wp-content/uploads/2023/07/AEVO_Entsprechungsliste_Rahmenplan_2023.pdf

:orange_book: Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK): DIHK-Rahmenplan: Synopse - https://www.ihk-nuernberg.de/fileadmin/IHK_Nuernberg/Weiterbildungspruefungen/AdA/synopse-ada-rahmenplan-2023.pdf