4.4. Berufsschule

:four_o_clock: 6 Minuten

Nach der Lerneinheit: :books:

:check_mark: kennen Sie die Schwerpunkte/Herausforderungen, die die Azubis mit Migrationshintergrund an der Berufsschule meistern müssen.
:check_mark: können Sie langfristig Unterstützungsmaßnahmen für diese Azubis vorbereiten.


Einordnung/Definition/Zahlen

  • Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt
  • 2024 hatten laut Mikrozensus 42,2 % aller Schülerinnen und Schüler an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland einen Migrationshintergrund.

Wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Berufsschulbesuch und erste Hilfestellungen

Sprache

  • Deutschkenntnisse sollten mindestens dem B1-Niveau sein, besser B2 oder sogar C1.
  • Dieses Niveau ist bei den meisten Azubis mit Migrationshintergrund leider noch nicht vorhanden.

Problemlösungsvorschlag:

Zusätzlicher Deutschkurs mit Fachspezifik organisieren. Dieser kann ausbildungsbegleitend oder aber vorgelagert sein.

Zu beachten ist, dass ausbildungsbegleitend heiß, zusätzlich nach der regulären Ausbildungszeit. Bedeutet aber auch für den Azubi Zeitmangel, Stress und begrenztes Aufnahmevermögen. Nicht unbedingt motivierend. Bei einem Deutschkurs innerhalb der wöchentlichen Ausbildungszeit geht wertvolle Ausbildungszeit verloren.

Erfolgversprechender ist da ein vorgelagerter Deutschkurs mit Fachspezifik. Hier kann sich der Azubi voll auf das Deutschlernen konzentrieren. Der Kurs sollte zeitlich so gelagert sein, dass der Ausbildungsbeginn nicht gefährdet wird.

Schulische Vorbildung

  • Bei geflüchteten oder zugewanderten Azubis kann die schulische Vorbildung recht unterschiedlich sein.
  • Selbstständiges Erkunden, wie die schulische Grundbildung in den jeweiligen Ländern aussehen, was sind Inhalte der jeweiligen Lehrpläne ist sehr zeitaufwendig und führt nicht wirklich zu einer Lösung.

Problemlösungsvorschlag:

Testen des schulischen Wissens mittels Probepraktikum, Wissenstest.

Praktikum: so gestalten, dass der Bewerber bzw. die Bewerberin, unter Anwendung des üblichen Schulwissens, selbstständig einfache Aufgaben lösen muss.

Tests: Im Handel (U-Form Verlag) gibt es die verschiedensten Wissenstest. Nicht nur Berufsspezifische, sondern auch für die Anwendung von Naturwissenschaften (Mathe, Physik; Chemie, Biologie), für Logik, Konzentration, Allgemeinwissen und Deutschkenntnissen.

:light_bulb: Beachte: Die Schule/Berufsschule hat weder Zeit noch die Kapazitäten um:
:check_box_with_check: zusätzliche Deutschkenntnisse zu vermitteln
:check_box_with_check: fehlende Bildungsinhalte aufzuholen oder
:check_box_with_check: eventuelle psychologische Störungen, die durch Flucht oder andere traumatische Erfahrungen entstanden sein können, entgegenzuwirken.


Vor der eigentlichen Ausbildung die Ausbildung vorbereiten

  • gezielt einen Sprachkurs vorschalten
  • eine Einstiegsqualifizierung vorschalten, wenn die Voraussetzungen passen
    • hier kann ein Sprachkurs integriert werden
    • durch die vorgegebenen beruflichen Qualifizierungsbausteine kann der Bewerber
      bzw. die Bewerberin hinreichend und über eine längere Zeit „getestet“ werden
    • Unternehmen und künftige Azubis lernen sich besser kennen
    • diese Maßnahme wird von der Agentur für Arbeit finanziell gefördert

:orange_book: Alle notwendigen Informationen zur Einstiegsqualifizierung

  • andere Übergangssysteme der Agentur für Arbeit, wie das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) oder Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ) nutzen, wenn die Voraussetzungen gegeben sind. Siehe auch Lernbaustein 1.3.3.!
  • Organisation eines Mentorings/Alltagsbegleitung = Begleitperson/permanente Hilfestellung die notfalls auch außerhalb der Ausbildung greift (z. B. AsA-flex oder VerA)
  • bei Problemen stehen Ihnen Fachleute/Fachkräftesicherungslotsen aus den jeweiligen Kammern zur Verfügung (s. auch Lernbaustein 4.3.)
  • sehr enger und kontinuierlicher Kontakt zu den Berufsschulen, Leistungsabfragen
  • spezielle Vorbereitung auf die Prüfungen
    • Prüfungsvorbereitende Kurse der Berufsschulen und/oder der jeweiligen Kammern erfragen und den Azubi dafür freistellen
    • Bei der Anmeldung zur Prüfung kann auch ein „Antrag zur Nutzung eines Wörterbuches“ gestellt werden. Bei gleicher Prüfungszeit kann ein „Wörterbuch in der ursprünglichen Form“, das heißt ohne Ergänzungen, Erläuterungen oder Einlegeblätter, verwendet werden. Es dürfen keine Übersetzungen durch mobile Endgeräte (z. B. Handy, Tablet) benutzt werden.

Zusammenfassung:

:check_mark: Azubis müssen sprachlich in der Lage sein, dem Unterricht zu folgen und schriftliche Aufgaben zu erfüllen. Dazu sind mindestens Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1, besser B2 oder C1 notwendig.
:check_mark: Durch unterschiedliche Bildungsvorerfahrungen bringen die Bewerber:innen unterschiedliche Wissensstände mit – eine Feststellung des vorhandenen notwendigen Vorwissens ist empfehlenswert.
:check_mark: Die Berufsschulpflicht sollte den Azubis erläutert werden.
:check_mark: Prüfen Sie verschiedene Alternativen, um den Azubi vor Ausbildungsbeginn auf das notwendige Wissens- und Sprachniveau zu bringen.
:check_mark: Stimmen Sie gemeinsam mit der Berufsschule Unterstützungsmaßnahmen, auch ausbildungsbegleitende Maßnahmen ab.


Quellen

:orange_book: DIHK-Bildungs-GmbH und ZWH - Geflüchtete Azubis: Zusammenarbeit mit der Berufsschule | „Stark für Ausbildung“

:orange_book: Internetseite von „Informationsverbund Asyl und Migration e. V. - Haus der Demokratie und Menschenrechte“ in Berlin - Informationsverbund Asyl & Migration - Berufsausbildung

:orange_book: Internetseite Handwerkskammer Dresden - Abschluss- und Gesellenprüfungen - Handwerkskammer Dresden