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verstehen Sie, warum Azubis aus anderen Kulturkreisen „anders“ sind.
können Sie auftretende Missverständnisse verstehen und analysieren.
Begriffserklärung – Was ist Kultur?
„Kultur umfasst alles, was der Mensch geschaffen hat. Unter „Kultur“ verstehen wir auch die Art und Weise, wie das Zusammenleben der Menschen gestaltet ist.“
Als Kulturgüter werden nicht nur „Dinge“ bezeichnet, sie können auch immateriell sein, zum Beispiel Feste, Bräuche, Handwerkstechniken.
Kultur wird über Gruppen von Generation zu Generation weitergegeben - Tradition.
Aber Kultur ist kein festes Gebilde mit festen Grenzen. Sie dient als ein Orientierungs- und Wertesystem, welches unser Wahrnehmen, Bewerten und Handeln bestimmt. Jeder Mensch gehört einer sozialen Gruppe an, in welcher er gelernt hat, sich zu orientieren. Jedoch unterscheidet er sich von den anderen Menschen dieser Gruppe mit seinen individuellen Erfahrungen und Erlebnissen.
Ähnlich wie bei einem Eisberg ist ein Teil jeder Kultur sichtbar (oberhalb der Wasseroberfläche). Dinge, die wir sehen, beobachten können, z. B. das Verhalten, Traditionen, Feste, Architektur, Gebräuche, Kleidung oder Essenskulturen. Der größere Teil liegt im nicht sichtbaren Bereich (unter der Wasseroberfläche). Was als normal gilt, aber nicht kommuniziert wird, wie z. B. Werte, Annahmen, Glauben, Verhaltensnormen, Denkweisen über Familie, Arbeit und die Welt.
Eisbergmodell Kulturverständnis
Interkulturelle Kompetenz – Was ist das?
„Interkulturelle Kompetenz“ ist die Fähigkeit:
- mit Unterschiedlichkeiten in zwischenmenschlichen Situationen umzugehen
- Kompromisse auszuhandeln
- die eigene Wahrnehmung und das eigene Verhalten im Kontext der eigenen kulturellen Prägung zu erkennen und zu überdenken und das Verhalten anderer entsprechend zu reflektieren
- „Vielfalt“ und „Unterschiedlichkeit“ anerkennen, respektieren und ggf. wertschätzen
- in vielen Situationen/Kontexten ist z. B. ein Länderspezifisches Wissen (z. B. Schulsystem, Ausbildungsabschlüsse) oder die Kenntnis der verschiedenen Kommunikationsgewohnheiten und kulturellen Konzepte hilfreich
Wozu brauchen Sie die Interkulturelle Kompetenz?
Interkulturelle Begegnungen sind oft nicht frei von Konflikten. Wir müssen aus unseren Gewohnheiten aussteigen und uns auf andere Sichtweisen einlassen.
Es liegt in der Natur des Menschen, das Verhalten seines/ihres Gegenübers anhand der eigenen anerzogenen Werte und Einstellungen zu interpretieren. Aber eine unterschiedliche kulturelle Erziehung bringt auch unterschiedliche Wertvorstellungen mit, die recht unterschiedlich interpretiert werden!
Deshalb kann es während der Zusammenarbeit von Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund zu Missverständnissen, Spannungen und Konflikten kommen, weil der größte Teil der Kultur unbewusst ist (s. Eisbergmodell = unterhalb der Wasseroberfläche).
Achtung: Werden diese Konflikte nicht geklärt oder aufgelöst, kann und wird dies auf Dauer negative Auswirkungen auf die Produktivität des Azubis und des gesamten Teams und somit auch des Unternehmens haben.
Notwendige Fähigkeiten und Einstellungen, um interkulturell agieren zu können:
- Einfühlungsvermögen
- das Wissen/die Erkenntnis über eigene Vorurteile und der eigenen kulturellen Prägung
- die Fähigkeit zum Perspektivwechsel
- Offenheit und Neugierde
- die Fähigkeit, die Werte der anderen zu akzeptieren
- Kenntnisse über Sprache und andere Kulturtechniken
- Aushalten von Unsicherheiten, Missverständnissen und Widersprüchen
Die häufigsten möglichen beiderseitigen Missverständnisse (Beispiele)
1. Zeitverständnis
Ihr Azubi ist permanent unpünktlich, nimmt es mit den Zeitvorgaben allgemein nicht so genau, Fristen sind dehn- und verhandelbar?
Im deutschen Arbeitsalltag ist dieses Verhalten kaum vorstellbar.
Hier gibt es überwiegend ein monochrones (strukturiertes) Zeitverständnis. Das heißt:
- zeitliches Abarbeiten der Aufgaben
- Konzentration auf die zu erledigende Arbeit
- zeitliche Verpflichtungen werden ernst genommen (Termine, Zeitpläne)
- Pünktlichkeit hat einen großen Stellenwert
- Halten sich an Verabredungen, Plänen
Dagegen steht das polychrone (impulsorientierte) Zeitverständnis. Das heißt:
- viele Dinge werden gleichzeitig getan
- leichtes Ablenken
- zeitliche Verpflichtungen haben keine große Bedeutung
- kommen fast immer zu spät
- stoßen Pläne um
Hier wird nach Situation und anerzogener Priorität entschieden. Dies führt dazu, dass zum Beispiel:
- Unterlagen nicht pünktlich eingereicht werden
- Fristen nicht bewusst war genommen werden
2. Kommunikation
Da jeder Mensch anders sozialisiert wurde und über eigene Erfahrungen verfügt, kann es passieren, dass unser Gegenüber unsere Äußerungen anders wahrnimmt, als sie von uns gemeint waren.
Die deutsche Kultur ist im allgemeinen sehr Sachorientiert.
Neben den verbalen Codes (das Wort an sich) gibt es auch unterschiedliche nonverbale Codes (z. B. Mimik, Gestik, Blickkontakt) und die paraverbalen Codes (z. B. Lautstärke, Tonfall, Pausen).
Beispiele
-
Blickkontakt:
- Der direkte, offene Blick symbolisiert eher Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit, er kann aber auch als Dominanz, Herausforderung oder mangelnder Respekt gewertet werden.
- Ein gesenkter Blick oder das Vorbeischauen am Gegenüber gilt für einige Kulturen als höflich und respektvoll.
- Ein Vermeiden des Blickkontaktes zwischen Mann und Frau kann religiöse Gründe haben und für einen respektvollen Umgang stehen.
-
Körperberührung und Körperkontakt:
- Woanders kann ein weiter oder geringer Körperabstand, als es eigenen Normen entspricht, üblich sein.
- Geringe Körperdistanz geht oft auch mit einer Berührung (z. B. Schulter, Arm) als Kommunikationsmittel einher. Dies signalisiert dann Aufmerksamkeit und Wertschätzung.
-
Mimik und Gestik:
- Kann sehr vielfältig sein. Sie unterscheidet sich, wie deutlich sie gezeigt wird, wie stark oder häufig sie eingesetzt werden!
- Können sehr unterschiedlich interpretiert werden!
Beispiel: In Deutschland heißt ein Kopfnicken = „Ja/Zustimmung“
In Indien heißt ein Kopfnicken = „Aufmerksamkeit“, Zustimmung wird durch ein seitliches Kopfwackeln bekundet.
In arabischen Ländern oder Griechenland und der Türkei bedeutet es ein „Nein“, wenn der Kopf in den Nacken geworfen wird!
-
Lautstärke:
- Je nach Sozialisation variiert die Bedeutung der Lautstärke.
- Lautes Sprechen kann als eine Machtdemonstration gewertet werden. Was als „Laut“ empfunden wird, ist sehr unterschiedlich.
- Ein leises Sprechen steht häufig für Schüchternheit oder Zurückhaltung, kann aber auch eine Respektsbezeugung sein.
Daraus ersichtlich:
Die Art und Weise, wie wir kommunizieren, kann oft Irritationen auslösen.
So steht bei der Sachorientierten Kommunikation die Klärung des Anliegens im Vordergrund. Dagegen bei der Personenbezogenen Kommunikation geht es erst einmal darum, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen, bevor es um die eigentliche Sache geht.
Ebenso gibt es Unterschiede, ob ein Anliegen direkt angesprochen wird (ehrlich und offen) oder indirekt. So nutzen viele Kulturen eine indirekte Kommunikation, um die Harmonie zwischen den Gesprächspartnern zu wahren, eine direkte Ansprache von Anliegen und Problem kann hier unter Umständen als verletzend oder unhöflich empfunden werden.
Hinweise zur „Körpersprache International“
Konsequenzen für den Ausbildungsalltag
Ohne dieses spezielle Wissen der Unterschiedlichkeiten in den verschiedenen Kulturen kann es unter anderem zu den folgenden Problemen kommen:
- Probleme beim regelmäßigen Feedbackgeben. Wie kann negatives Feedback oder sogar Kritik vermittelt werden?
- Lehrunterweisungen – Nähe, ja oder nein? Wie kann etwas gezeigt, vorgeführt werden, ohne den anderen zu nahe zu treten?
- Einhaltung von Zeitschienen, Fristen, Arbeitszeiten?
Es empfiehlt sich, alle an der Ausbildung beteiligten Personen im Unternehmen interkulturell zu schulen, um allen möglichen Missverständnissen in verschiedenen Abteilungen/Bereichen vorzubeugen.
Zusammenfassung:
Viele Aspekte einer Kultur (Werte, Denkweisen, Ideale) sind nicht sichtbar und somit schwer greifbar.
Treffen Menschen aus verschiedenen Kulturen aufeinander, so neigen sie dazu, das Verhalten des Gegenübers anhand ihrer eigenen Werte und Einstellungen zu interpretieren.
Das Unverständnis über die kulturellen Werte der anderen Kultur trägt zu möglichen Spannungen und Missverständnissen bei.
Jeder schaut dabei durch die eigene kulturelle Brille und erachtet seine Werte für „richtig“ und die des anderen für „unangebracht“ oder „falsch“.
Interkulturelle Kompetenz kann helfen, die Chancen von kultureller Vielfalt als eine Stärke und als Erfolgsfaktor für das Unternehmen auszubauen.
Die Unterscheidung ist keine Regel, sondern nur eine Richtschnur. Niemand ist so ganz Deutsch, Türkisch, Arabisch, ….
Quellen
Internetauftritt der Bundezentrale für politische Bildung - Bundeszentrale für politische Bildung | Startseite | bpb.de
BIBB Internetseite Leando - Leando | Interkulturelle Kompetenz entwickeln
Internetauftritt Deutscher Volkshochschul-Verband e.V. - Kulturelle Unterschiede zu Geflüchteten
Internetseite „Intercultural Success“ - Intercultural Success – For Your Worldwide Success
