3.4. Vermeiden von Ausbildungsabbrüchen

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Nach der Lerneinheit: :books:

:check_mark: können Sie rechtzeitig herausfinden, wann der Azubi unzufrieden ist.
:check_mark: können Sie rechtzeitig Maßnahmen einleiten, die einen Ausbildungsabbruch verhindern.
:check_mark: können Sie vorbeugend die Ausbildung organisieren.


Konsequenzen von Ausbildungsabbrüchen können sein:

  • nachteilige Veränderungen im beruflichen Lebensweg der Jugendlichen und jungen Menschen,
  • finanzielle Verluste durch Fehlinvestitionen auf betrieblicher Ebene,
  • volkswirtschaftliche Kosten durch Mangel an entsprechend qualifizierten Fachkräften und durch nicht besetzte Ausbildungsplätze.

Gründe für einen Ausbildungsabbruch

Zahlreiche Azubis brechen ihre Ausbildung aus den verschiedensten Gründen ab. Laut Berufsbildungsbericht 2024 brechen im Durchschnitt 25 %, also jeder vierte Azubi die Ausbildung vorzeitig ab.

Mehr als jede dritte Vertragslösung findet in der Probezeit statt, weitere 30 % ebenfalls noch im ersten Ausbildungsjahr. Die Probezeit ist unter anderem genau dafür da, um möglicherweise falsche Auswahlentscheidungen zu korrigieren.

Was sind die wichtigsten Gründe für einen Abbruch?

  • Betriebliche Gründe
    • Konflikte mit den Ausbildenden, Meister:in, Chef:in
    • mangelnde Vermittlung der Ausbildungsinhalte
    • ungünstige Überstunden- oder Urlaubsregelung
    • Ausbildungsfremde Arbeiten
    • Konflikte mit Facharbeitern/Facharbeiterinnen, Gesellen/Gesellinnen, anderen Auszubildenden
    • Über- oder Unterforderung
    • schwere körperliche Arbeit
  • Probleme in der Berufsschule
    • schlechte Leistungen im Fachunterricht
    • Schwierigkeiten in den Kernfächern
    • Prüfungsangst
    • Konflikte in der Berufsschule
  • Persönliche Schwierigkeiten
    • gesundheitliche Gründe
    • Schwangerschaft
    • familiäre Probleme
    • Beziehungsprobleme
    • finanzielle Probleme
    • fehlende Übernahme von Verantwortung
    • maßlose Freizeitgestaltung
    • Verlust der Kontakte zu den bisherigen Freunden aufgrund der Arbeitszeit
  • Falsche Vorstellungen vom Wunschberuf und dessen Tätigkeiten
    • fehlerhafte Einschätzung von Aufgabenbereich, Arbeitsumfeld, Arbeitsbedingungen
    • eingeschränkte Verdienstmöglichkeiten im Anschluss an die Ausbildung
    • schlechte Arbeitsmarktaussichten
    • eingeschränkte Weiterbildungs- und Aufstiegschancen

In den meisten Fällen ist nicht nur ein Faktor für die Probleme verantwortlich. Weitaus häufiger treffen mehrere Faktoren aufeinander.


Wie zeigt sich ein drohender Ausbildungsabbruch?

Ausbildungsabbrüche sind kein plötzlich eintretendes Ereignis. Sie kündigen sich durch schwache Signale an. Dazu gehören:

  • hohe Fehlzeiten
  • schlechte Schulnoten
  • mangelhafte Arbeitsergebnisse
  • Unpünktlichkeit
  • zunehmende Aggressivität
  • Unzufriedenheit
  • Zurückgezogenheit
  • Leistungsabfall
  • verändertes Verhalten

Wie gut kennen Sie Ihre Azubis, um die Signale zu erkennen und zu deuten?


Erste Schritte zur Lösung der Konflikte

Zuerst einmal führen Sie ein klärendes Vier-Augen-Gespräch, um die möglichen Ursachen herauszufiltern. Sehen Sie dazu auch den Lernbaustein 2.5.2. „Probleme während der Ausbildung“. Hier gibt es noch einmal einige Hinweise zum Führen eines Konfliktgespräches, zur „ Ersten Hilfe bei Konflikten“ und Tipps zum Umgang mit Konflikten.
Klären Sie gemeinsam die Ursachen für die Schwierigkeiten und wenn möglich suchen Sie auch nach möglichen Lösungen.

Schauen wir auf die verschiedenen Ursachen und deren mögliche Vermeidung/Behebung.

1. Bei den (aufgezeigten) betrieblichen und berufsschulischen Gründen:

  • Eine große Rolle spielt zum Beispiel der Einstieg in die Ausbildung bzw. das Ankommen im Betrieb bzw. im Ausbildungsberuf (siehe auch Lernbaustein 2.1. „Der erste Tag“) und ob die Azubis gleich am Anfang erleben, dass sich ihre Erwartungen bestätigen. Dabei spielen subjektive Faktoren eine Rolle – etwa, ob die Azubis die Arbeit als körperlich belastend empfinden, ob sie Spaß an der Arbeit haben und auch, ob sie Anerkennung und Erfolge vermittelt bekommen.
  • Bei Lernproblemen prüfen Sie kritisch, ob die mitgebrachte Schulausbildung mit den beruflichen Anforderungen kompatibel ist. Gibt es Möglichkeiten für externe Hilfe, zum Beispiel AsAflex von der Bundesagentur für Arbeit oder das Jobstarterprogramm VerA – der Senior Experten Service (SES) (siehe auch Lernbaustein 2.6.3. „Unterstützung bei Schwierigkeiten“).
  • Schwierigkeiten im Team, ob in der Berufsschule oder im Unternehmen – finden Sie die Ursachen heraus und bieten vielleicht eine Teambildende Maßnahme, ein gemeinsamer (Abenteuer-)Ausflug, ein gemeinsamer Abend nach Feierabend oder ähnliches an, um ein gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis aufzubauen. Vergessen Sie dabei nicht den engen Kontakt zu den jeweiligen Berufsschullehrkräften.

2. Bei persönlichen Gründen:

  • Gegen bestehende gesundheitliche Probleme können Sie vor Ausbildungsbeginn bereits vorsorgen, indem Sie die ärztliche Untersuchung (siehe Lernbaustein 1.2.3. „Ärztliche Untersuchung“) aufmerksam und kritisch durchsehen. Sollten sich gesundheitliche Probleme während der Ausbildung eingestellt haben bleibt noch zu prüfen, ob dies abwendbar ist oder nicht. Ist es nicht abwendbar oder heilbar bleibt leider meistens nur ein beruflicher Wechsel übrig.
  • Azubis, die das 18. Lebensjahr bereits überschritten haben, benötigen diese ärztliche Untersuchung nicht. Es ist sinnvoll den Azubi zum Betriebsarzt für diese „Tauglichkeitsuntersuchung“ zu schicken, um einen späteren Abbruch aus diesem Grund zu vermeiden.
  • Bei auftretenden familiären Problemen gilt es darüber zu sprechen und eventuell eine für beide Seiten zumutbare Lösung zu finden (siehe auch Lernbausteine 1.1.5. „Ausbildung in Teilzeit" und 2.6.3. „Unterstützung bei Schwierigkeiten“).
  • Sollten Ihre Auszubildenden wegen einer Schwangerschaft einen Ausbildungsabbruch in Betracht ziehen – lesen Sie dazu den Lernbaustein 2.5.1. „Schwangerschaft in der Ausbildung“.

3. Ungeeignete Berufswahl:

  • Gehen Jugendliche bereits bei der Berufswahl Kompromisse ein, erhöht sich das Risiko eines Ausbildungsabbruchs. Kompromisse können darin bestehen, statt des eigentlichen Traumberufs einen ähnlichen Beruf oder nur eine ähnliche Branche zu wählen – oder den Beruf in einem sehr großen, statt in einem kleinen Betrieb zu erlernen.
  • Nun ist das Unternehmen nicht für die Berufsorientierung in der Schule verantwortlich, aber bereits bei der Auswahl der Bewerbenden (Lernbaustein 1.3.2. „Auswahlverfahren/Bewerbungsgespräch“) sollte hier genau hingeschaut werden und lieber vorab mehr Zeit in die Auswahl und Erprobung der künftigen Azubis gesteckt werden.
  • (Schüler-)Praktika können für Unternehmen eine sinnvolle Maßnahme sein, um mögliche Azubis zu gewinnen. Eine Vernetzung des Unternehmens in der Region bei entsprechenden Initiativen (z. B. SCHULEWIRTSCHAFT - https://schulewirtschaftsachsen.de/ ) kann die berufliche Orientierung bei Schülerinnen und Schülern gewinnbringende mitgestalten.
  • Manchmal helfen auch das Aufzeigen von Weiterbildungsmöglichkeiten oder möglichen Karrierewegen.

Die Ausbildung abbrechen – was dann?

Wird die Ausbildung dennoch abgebrochen, so kommt es auf den Zeitpunkt des Abbruches innerhalb der Ausbildungszeit an, wie das Ausbildungsverhältnis beendet wird. Lesen Sie dazu den Lernbaustein 3.2. „Negative Beendigung“, hier sind alle möglichen Varianten zur Beendigung des Ausbildungsverhältnisses detailliert beschrieben.

Auch bei einer vorzeitigen Beendigung des Ausbildungsverhältnisses steht den Azubis entsprechend § 16 BBiG ein Arbeits- oder Ausbildungszeugnis zu.

:light_bulb: Beachte: Wer das Ausbildungsverhältnis gekündigt hat und aus welchem Grund die Kündigung ausgesprochen wurde, darf darin jedoch nicht stehen. Es sei denn, der Azubi hat selbst gekündigt und wünscht diese Angabe, etwa als Beweis für folgende Bewerbungen.


Zusammenfassung:

:check_mark: Die Gründe für einen Ausbildungsabbruch sind sehr vielfältig und können von beiden Seiten – Ausbilder- oder Auszubildendenseite – ausgehen.
:check_mark: In den meisten Fällen können zur Lösung der Konflikte klärende Gespräche, Ursachenanalyse und eine gemeinsame Lösungsfindung hilfreich sein.
:check_mark: Bei persönlichen Problemen, betrieblichen Konflikten oder falscher Berufswahl können präventive Maßnahmen ergriffen werden, um Ausbildungsabbrüche vorzubeugen.
:check_mark: Nicht immer lässt sich ein Ausbildungsabbruch verhindern.


Quellen

:orange_book: „Die Handwerker Fibel“ Band 4 „Berufs- und Arbeitspädagogik“ Holzmann Medien/Buchverlag

:orange_book: BIBB – Leando - Leando | Leitfaden für ausbildende Fachkräfte

:orange_book: DHZ Deutsche Handwerkszeitung - Für Ausbilder Archives - dhz.net

:orange_book: Berufsbildungsgesetz - BBiG - BBiG - nichtamtliches Inhaltsverzeichnis

:orange_book: Berufsbildungsbericht 2024 - Berufsbildungsbericht 2024

:orange_book: ZDH – Bereich berufliche Bildung - Vertragslösungen und Ausbildungsabbrüche | ZDH