2.4. Überbetriebliche Lehrunterweisung - ÜLU

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Nach der Lerneinheit… :books:
:check_mark: können Sie die Inhalte der ÜLU in die Ausbildung einordnen und organisieren.
:check_mark: kennen Sie die Wichtigkeit und den Aufbau der ÜLU im Handwerk.


Überbetriebliche Lehrunterweisung im Handwerk kurz ÜLU - Was ist das?

„Die ÜLU ist eine Ergänzung zur praktischen Ausbildung im Betrieb.“

Sie ergänzt bzw. vertieft die praktische Ausbildung im Betrieb durch Wissen und Fähigkeiten, die im Ausbildungsbetrieb nicht immer vermittelt werden können.


Hintergrund - Ziele der ÜLU

Im Lernhappen „Ausbildungsordnung (AO) - Ausbildungsrahmenplan“ - Vor der Ausbildung - haben wir erfahren, dass die Grundlage für die Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen die AO ist.

Durch die wirtschaftliche und technische Arbeitsteilung kommt es auch im Handwerk in manchen Berufen zu Spezialisierungen. Dies bedeutet wiederum, dass einzelne Ausbildungsbetriebe nicht mehr alle Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln können, die nach der AO vorgeschrieben sind.

Der Ausgleich dieses scheinbaren Mangels erfolgt durch die ÜLU.


ÜLU steht für:

  • Systematische Vertiefung der Berufsausbildung in produktionsunabhängigen Werkstätten
  • Ergänzung der betrieblichen Ausbildung und Sicherung eines einheitlichen Ausbildungsniveaus
  • Anpassung der Berufsausbildung an technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen

Die ÜLU besteht aus Lehrgängen in der Grundstufe (1. Ausbildungsjahr) sowie in der Fachstufe (2. - 4. Ausbildungsjahr). Diese Lehrgänge orientieren sich an der betrieblichen Praxis.

Die Inhalte werden anhand von Kundenaufträgen vermittelt, welche das vollständige Handeln (Informieren - Planen - Entscheiden - Ausführen - Kontrollieren - Bewerten) darstellen.

Die Unterweisungspläne für die Lehrgänge werden in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachverbänden vom „Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Leibnitz-Universität Hannover“ (HPI) erarbeitet.

Anlässe für die Erarbeitung bzw. Überarbeitung der Pläne sind u. a. neue oder modernisierte Ausbildungsordnungen.

Jeder Unterweisungsplan besteht aus einem inhaltlichen Teil und aus dem Durchschnittskostenplan.

Inhaltlicher Teil:
• die Kennziffer = Abkürzung mit Bezug auf das jeweilige Handwerk + lfd. Nummer + die letzten beiden Zahlen des Jahres der Erstellung
• Pläne der Grundstufe sind zusätzlich mit einem „G“ gekennzeichnet
[Beispiel: G-DACH3/16 ist für den Beruf Dachdecker 1. Lehrjahr der 3. Lehrgang, erstellt im Oktober 2016]
• Auflistung des Handwerks und der Berufe, für die der jeweilige Lehrgang vorgesehen ist. Das bedeutet, dass die Teilnahme für Auszubildende der gelisteten Berufe förderfähig ist.
[Beispiel: Dachdecker/in SW Dachdeckungstechnik Dachdecker/in SW Abdichtungstechnik …]
• Thema der Unterweisung = thematische Zuordnung der Lehrgangsinhalte
[Beispiel: "Einführung in ……. Dachabdichtungen]
• Allgemeine Angaben = Lehrgangsdauer in Wochen + Anzahl der max. Teilnehmer + Ausbildungsjahr
[Beispiel: 1 Woche; 8 -16 Auszubildende aus dem 1. Ausbildungsjahr]
• Inhalt = festlegen der Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die der Auszubildende erlangen soll. Sie sind flexibel und gestaltungsoffen formuliert.
[Beispiel: 3.1 Einführung in die Dachabdichtung - Schichtenfolge ….. + Zeitanteil 10 %;
3.2 Schichtenaufbau …]
• Integrative Bestandteile = Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die integrativ über den gesamten Lehrgang vermittelt werden.
[Beispiel: Maßnahmen zum Arbeitsschutz, Umweltschutz, der rationellen Energieverwendung…]

Durchschnittskostenplan:
Hier werden wie in einer Kalkulation die Durchschnittskosten für die direkten Kosten (Personal-, Sach- und Materialkosten, sonstige direkte Verbrauchskosten, wie Energie, Wasser, Entsorgung usw.) und die indirekten Kosten (Gemeinkosten) aufgeführt. Es wird ein Gesamtpreis pro Lehrgang und Teilnehmer ermittelt.

Dieser Kostenplan bildet die Grundlage für die Bemessung der staatlichen Förderung.

Was wird gefördert und wie wirkt sich dies für die Ausbildenden aus?
Nach der Erstellung eines Unterweisungsplanes muss dieser noch durch den Bund (Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)), den Bundesländern und der jeweiligen Handwerkskammer (HWK) anerkannt werden.

Die Anerkennung des Bunds und den Ländern entscheidet über eine Anteilsförderung der entstehenden Kosten sowie über die Höhe der Förderung pro teilnehmenden Auszubildenden.


Handwerkskammern:

Mittels Beschlussfassung durch die entsprechenden Gremien der HWK (Berufsbildungsausschuss und Vollversammlung) sowie der Veröffentlichung der Beschlüsse werden diese ÜLU-Lehrgänge zu „angeordneten überbetrieblichen Unterweisungsmaßnahmen“.

Außerdem legen die Handwerkskammern die Durchführungsorte bzw. Träger der ÜLU-Maßnahmen fest.

Sie ist auch für die gesamte Abrechnung und Verteilung der Fördergelder zuständig.

:light_bulb: Durch die Regelung der Pflichten von Ausbildenden und Auszubildenden im Ausbildungsvertrag sind die „angeordneten überbetrieblichen Unterweisungsmaßnahmen“ Pflichtlehrgänge. Die Auszubildenden werden für die Teilnahme vom Betrieb freigestellt. Die Kosten trägt der Betrieb.

Zu diesen Kosten zählen:

Die anteiligen Lehrgangskosten + zuzüglich eventuelle anteilige Unterbringungskosten (zum Teil auch anteilig) + zuzüglich Fahrtkosten = Gesamtkosten für das ausbildende Unternehmen.


Wie kommt der Auszubildende zur ÜLU?

  • der Ausbildungsbetrieb meldet seinen Auszubildenden direkt beim zuständigen Bildungsträger der ÜLU an (Übersicht)
  • der Betrieb erhält eine Einladung zur ÜLU
  • der Betrieb informiert den Auszubildenden und übergibt die notwendigen Unterlagen
  • der Auszubildende nimmt am Lehrgang teil
  • nach Beendigung des Lehrganges erhält der Betrieb eine Teilnahmebestätigung und eine Beurteilung des Leistungsstandes des Auszubildenden, um darauf weiter aufbauen zu können
  • Abrechnung der Maßnahme durch den Träger der ÜLU - Gebührenbescheid an den Betrieb und Abrechnung der Fördergelder über die HWK

Zusammenfassung:

:check_mark: angeordnete überbetriebliche Unterweisungsmaßnahmen sind Pflichtlehrgänge für den Auszubildenden
:check_mark:der Auszubildende wird dafür vom Betrieb freigestellt = Ausbildungszeit
:check_mark: Eintragung der ÜLU ins Berichtsheft
:check_mark: Pflichtlehrgänge müssen zur Prüfungszulassung nachgewiesen werden
:check_mark: die Kosten der ÜLU trägt der Ausbildungsbetrieb, da die ÜLU zur praktischen Ausbildung zählt
:check_mark: die Inhalte der einzelnen Lehrgänge kann man einsehen und herunterladen
:check_mark: die Abrechnung der Fördermittel übernimmt die Handwerkskammer


Quellen

:orange_book: „Die Handwerker Fibel“ Band 4 „Berufs- und Arbeitspädagogik“ Holzmann Medien/Buchverlag
:orange_book: Schriftenreihe der Handwerkskammer Dresden „Berufsnachwuchs fürs Handwerk finden, entwickeln, fördern“
:orange_book: Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover, Wilhelm-Busch-Straße 18 in 30167 Hannover - https://hpi-hannover.de/