Auswahlverfahren/Bewerbungsgespräch
8 Minuten
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können Sie sich verschiedene Wege zur Bewerberauswahl für Ihr Unternehmen erschließen.
Ihre Stellenanzeige für den zu besetzenden Ausbildungsplatz war erfolgreich.
Sie haben viele Bewerbungen bekommen, per Post und auch per E-Mail.
Die Auswahl kann sich schwierig erweisen und nochmals etwas Zeit in Anspruch nehmen.
Wie finden Sie den für Sie richtigen Auszubildenden aus dieser Menge?
Die folgenden vier beschriebenen „Schritte“ sollen Ihnen bei der Auswahl helfen. Ob alle Möglichkeiten zur Anwendung kommen und wenn ja, in welcher Reihenfolge entscheiden Sie selbst.
1. Sichten der eingegangenen Bewerbungsunterlagen
und erste Bewertung mit Hilfe des Kriterienkataloges. Dieser ist bereits aus der Stellenbeschreibung vorhanden.
Fertigen Sie sich für jeden Bewerber einen Bewerberauswahlbogen an.
Erste Kriterien aus den Bewerbungsunterlagen:
Form der Bewerbung ist wie von Ihnen gewünscht (Postalisch/E-Mail…) und
die Unterlagen sind vollständig:
- Anschreiben ist nach DIN 5008 und aussagekräftig
- tabellarischer Lebenslauf
- die Zeugnisse sind aktuell
- Besonderheiten, wie z. B. Deckblatt, Praktikaeinschätzungen
- eventuell ein aktuelles Lichtbild (dieses ist nicht mehr unbedingt notwendig nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) - keine Pflicht aber Kür)
- Rechtschreibung/Grammatik (fehlerfreie Unterlagen)
- Sorgfalt/Ordnung/Gestaltung der äußeren Form entsprechend dem Berufsbild
- fristgerechter Eingang
Vorgegebene Kriterien werden eingehalten/sind vorhanden, wie z. B.:
- Schulabschluss
- bestimmte Schulnoten
- Fehltage
- körperliche Fitness/physische Belastbarkeit (Sportnote)
- beschriebene Potenziale, z.B. Höhentauglichkeit
- vorhandenes Praktikum oder praktische Erfahrungen in dem Berufsbild inclusive Praktikumseinschätzung oder Ferienarbeit
Mehr kann man schon kaum aus den Bewerbungsunterlagen herauslesen. Aber Vorsicht, bitte die Bewerbungsunterlage nicht überbewerten, hier haben bestimmt schon viele erfahrene Personen Hand angelegt.
Die 1. Auswahl findet statt!
Der Stapel der verbleibenden Bewerber ist immer noch hoch!
Verlieren Sie die vorerst „aussortierten Bewerber“ aber nicht aus den Augen. In der Realität bewerben sich die Jugendlichen nicht nur auf eine Ausbildungsstelle. Schwankende Jugendliche bewerben sich auch für verschiedene Berufe.
2. Legen Sie großen Wert auf das theoretische/schulische anwendbare Wissen,
können die Kandidaten auch zu einem Einstellungstest eingeladen werden.
Organisieren Sie einen geeigneten Test und laden alle potenziellen Bewerber schriftlich zu diesem Termin ein.
Wo bekommt man geeignete Tests?
Aus dem Internet
Da habe ich auf der Seite „ausbildungspark.com“ vom Ausbildungspark Verlag GmbH aus Offenbach am Main eine freie Seite gefunden, in der man für über 40 Berufe Eignungstests üben kann. Einfach mal selbst ausprobieren!
- Fachspezifische Test können eventuell bei Fachverbänden erhältlich sein.
- Eine andere Möglichkeit ist diese Tests im Handel zu erwerben.
Hier gibt es z. B. beim U-Form-Verlag in Solingen eine ganze Menge verschiedener Tests. Wer mal reinschauen möchte.
- Oder aber Sie erstellen selbst einen Test, ganz genau auf Ihre Ausbildungsstelle zugeschnitten.
Lektüre dazu gibt es mehr als genug im Netz. Auch hier ist wieder der Büchershop - Ausbildungspark Verlag zu empfehlen. Hier finden Sie eine große Auswahl an Tests zum Üben für die Bewerber.
3. Statt eines Tests können die Bewerber zu einer kurzen Probearbeit/Praktikum
eingeladen werden. Auch möglich Beides in Kombination.
Hier können Sie verschiedene Kompetenzen prüfen, wie z. B.
- Auffassungsgabe
- handwerkliches Geschick
- räumliches Vorstellungsvermögen
- Konzentration
- technisches Verständnis
Was ist bei einem Praktikum zu beachten?
Der Zweck - Schüler haben noch kein Fachwissen, deshalb Übungen aussuchen, die auch mit kreativen Lösungsansätzen bewältigt werden können. Praktikanten nicht in den Produktionsprozess integrieren. Dies wäre Versicherungstechnisch fraglich.
Vorbereitung des Praktikums -
- geeigneter Betreuer, wenn möglich der zukünftige Ausbilder
- Versicherung klären - Belehrung, Schutzkleidung
- Dauer des Praktikums, wenn möglich nicht länger als 1-3 Tage
- Termin abklären, wieviel Bewerber zur gleichen Zeit oder einzeln?
Bewerten des Praktikums/Feedbackgespräch -
Abklären, wann und wie die Auswertung erfolgen soll
- gleich nach dem Praktikum oder
- später im Vorstellungsgespräch
4. Bewerbungs- /Vorstellungsgespräch führen:
An welcher Stelle des Bewerberauswahlverfahrens dieses Gespräch durchgeführt wird entscheiden Sie.
Soll dieses Gespräch den Abschluss des Auswahlverfahrens bilden, ist die Anzahl der durchzuführenden Gespräche schon sehr übersichtlich. Wird dieses Gespräch vorgezogen und/oder mehrmals durchgeführt, dann kann schon eine größere Anzahl an Gesprächen auf sie zukommen.
Vorbereitung Bewerbungsgespräch:
- Kandidaten einladen, bei Bewerbern unter 18 Jahre mit Eltern - genügend Zeit einplanen
- Innerbetrieblich die Gesprächspartner (z. B. Ausbilder; Personalbeauftragte …) mit einplanen und einladen
- Gesprächsleitfaden aktualisieren
- zum Schluss weiteres Vorgehen bis zur Entscheidung besprechen
Nach allen Vorstellungsgesprächen eine Entscheidung fällen!
Mitteilung an alle Bewerber, Zu- oder Absage.
Vorbereitung Ausbildungsvertrag und Termin für die Unterzeichnung desselben.
Um dem Bewerber/der Bewerberin das Gefühl zu vermitteln, dass er/sie für Ihr Unternehmen wichtig ist, lassen Sie nicht zu viel Zeit zwischen den einzelnen Aktivitäten verstreichen.
Halten Sie Kontakt zu Ihrem neuen Azubi.
Geben Sie ihm/ihr das Gefühl, er/sie ist wichtig, denn Hauptgründe für eine frühzeitige Auflösung des Ausbildungsvertrages liegen laut Statistik auch in einer fehlenden Kommunikation oder aber es gibt noch einen anderen Ausbildungsplatz.
Was passiert, wenn unser/e Wunschkandidat/in dann doch noch abspringt?
Den Tipp - die anderen guten Bewerber nicht aus den Augen zu verlieren ist aus genau diesem Grund sehr wichtig.
Vielleicht ist bei den Wunschkandidaten 2, 3 oder 4 noch jemand ohne Ausbildungsvertrag.
Gehen Sie mögliche Kompromisse ein.
Zusammenfassung:
Das Auswahlverfahren kann einige Zeit dauern. Dies ist abhängig von der Anzahl der Bewerber, deren Qualitäten und den entsprechenden eingesetzten Auswahlinstrumenten.
Neben der klassischen Bewerbungsunterlage und dem Vorstellungsgespräch können noch ein Einstellungstest oder aber eine Probearbeit (Probepraktikum) eingesetzt werden. Die richtige Auswahl des Auszubildenden sichert Ihrem Unternehmen den Fachkräftebedarf der Zukunft.
Was tun, wenn kaum oder keine Bewerbungen eingegangen sind?
Fragen Sie bei der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer nach. Hier gibt es die „Passgenaue Vermittlung“. Dieses Projekt „dient dazu, Betriebe und Bewerber so zusammen zu bringen, dass die freien Ausbildungsplätze belegt werden und Ausbildungssuchende ihre Interessen verwirklichen können.“
Ein weiterer Kontakt kann zur Berufsberatung der regionalen Agentur für Arbeit sein.
Hier werden auch Jugendliche gelistet, welche noch vermittelt werden können oder aber unter anderen Voraussetzungen eine Ausbildung beginnen könnten (s. Lernhappen „Bewerber aus Berufsvorbereitenden Maßnahmen“).
Lassen Sie sich beraten.
Quellen:
Quellen
„Die Handwerkerfibel“ Band 4 Berufs- und Arbeitspädagogik vom Holzmann Medien/Buchverlag 58. überarbeitete Auflage
Ausbildungspark Verlag GmbH, Bettinastraße 69 in 63067 Offenbach am Main Berufseignungstests (Eignungstests) - das Ausbildungs-ABC – Ausbildungspark Verlag
u-form:e, Klausberger Straße 1 in 42651 Solingen -
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Bundesinstitut für Berufsbildung, Robert-Schumann-Platz 3 in 53175 Bonn : Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2020
Homepage der HWK Dresden Passgenaue Besetzung - Handwerkskammer Dresden
