Generation Z verstehen: So begeistern Sie Ihre Azubis

Die Generation Z (geboren ca. 1995 – 2010) stellt Ausbilder:innen im Handel und Handwerk vor neue Herausforderungen. Ihre Erwartungen an die Arbeitswelt und die Ausbildung unterscheiden sich deutlich von denen früherer Generationen. Wer als Ausbilder:in erfolgreich sein will, muss diese Bedürfnisse verstehen und aktiv darauf eingehen.

1. Work-Life-Balance und Freizeitwert

Für die Gen Z ist die Arbeit oft nicht das zentrale Element der Identität; die Freizeit hat einen hohen Stellenwert. Sie lehnen das „Überstunden-Prinzip“ ab und erwarten, dass ihre vertraglich geregelte Arbeitszeit eingehalten wird.

  • Beispiel aus dem Handel: Ein Azubi im Einzelhandel lehnt es ab, kurzfristig zwei Stunden länger zu bleiben, weil ein privates Treffen geplant ist.
  • Beispiel aus dem Handwerk: Ein Azubi möchte die Überstunden aus einer Montagefahrt nicht ausbezahlt bekommen, sondern besteht auf Freizeitausgleich, um ein verlängertes Wochenende zu haben.

Handlungsmöglichkeiten für Ausbilder:innen:

  • Planungssicherheit schaffen: Sorgen Sie für stabile und frühzeitige Dienstpläne. Kurzfristige Änderungen sollten die Ausnahme bleiben.
  • Wertschätzung zeigen: Wenn Überstunden notwendig sind, kommunizieren Sie klar den Grund und bieten Sie zeitnah einen Ausgleich an (flexible Arbeitszeiten/Gleitzeit, sofern möglich).
  • Arbeitszeitmodelle prüfen: Im Handel können dies feste Wochenenden sein, im Handwerk der Versuch, die 40-Stunden-Woche konsequent einzuhalten.

2. Sinnhaftigkeit und Purpose

Die Gen Z fragt nicht nur was sie tun soll, sondern vor allem warum. Sie sucht nach einem sinnvollen Beitrag und möchte wissen, wie ihre Arbeit das große Ganze beeinflusst (Stichwort Purpose).

  • Beispiel aus dem Handel: Eine Auszubildende zur Verkäuferin fragt, warum sie im Online-Shop die Produktbeschreibungen aktualisieren soll und welchen Mehrwert dies für die Kunden hat.
  • Beispiel aus dem Handwerk: Ein Auszubildender zum Maurer fragt, warum bei diesem Bauprojekt so sehr auf Nachhaltigkeit (z. B. regionale Baustoffe) geachtet wird und wie das zur Unternehmensphilosophie passt.

Handlungsmöglichkeiten für Ausbilder:innen:

  • Den „Why-Faktor“ erklären: Beginnen Sie Anweisungen nicht mit dem Was, sondern mit dem Ziel (dem Warum). „Wir bereiten die Produktbeschreibung im Shop heute vor, damit wir die Retourenquote senken und die Kunden besser informieren.“
  • Bezug zum Gesamterfolg herstellen: Zeigen Sie den Azubis, wie ihre Aufgabe zur Kundenzufriedenheit, zum Unternehmenserfolg oder zur Nachhaltigkeitsstrategie beiträgt.
  • Verantwortung übertragen: Lassen Sie Azubis eigene kleine Projekte verantworten (z. B. Social-Media-Kanal für Azubis, Test neuer Arbeitsmaterialien), um die Sinnhaftigkeit direkt zu erleben.

3. Flexibles und Selbstgesteuertes Lernen

Die Generation ist mit digitalen Medien aufgewachsen und gewohnt, sich Wissen schnell und flexibel anzueignen (z. B. YouTube, Tutorials). Sie erwarten kurze, prägnante Lerninhalte und wollen ihr Lerntempo oft selbst bestimmen.

  • Beispiel aus dem Handel: Der Azubi ist gelangweilt von einer langen Theorieeinheit zu Kassenabläufen und fragt, ob es dazu ein kurzes Erklärvideo gibt.
  • Beispiel aus dem Handwerk: Der Azubi nutzt auf der Baustelle sein Smartphone, um ein Tutorial für die Einstellung eines bestimmten Messwerkzeugs zu suchen, anstatt lange die Betriebsanleitung zu lesen.

Handlungsmöglichkeiten für Ausbilder:innen:

  • Lernformate diversifizieren: Kombinieren Sie praktische Anleitungen mit digitalen, kurzen Lernmodulen (Microlearning). Bieten Sie interne Lernvideos oder digitale Checklisten an.
  • Selbstgesteuertes Lernen fördern: Erlauben Sie Azubis, sich bestimmte Fachthemen eigenständig zu erarbeiten und sie dann dem Team zu präsentieren.
  • Feedbackschleifen verkürzen: Geben Sie häufig, aber kurz und konkret Rückmeldung („Quick Feedback“), anstatt einmal im Quartal ein langes Mitarbeitergespräch zu führen.
  • Digitale Tools nutzen: Arbeiten Sie mit Azubi-Apps, digitalen Berichtsheften oder Wissensdatenbanken (z. B. auf dem Firmen-Tablet), um den Zugang zu Informationen zu erleichtern.

Fazit: Der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit der Generation Z liegt in der Wertschätzung ihrer Bedürfnisse nach Lebensqualität, sinnvoller Arbeit und modernem Lernen. Ausbilder:innen, die diese Punkte berücksichtigen, gewinnen nicht nur Azubis, sondern binden auch die Fachkräfte von morgen.


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