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kennen Sie die Lebensrealität und Bedürfnisse der Generation Z.
können Sie Handlungsmöglichkeiten im Ausbildungsprozess der Generation Z gezielt einset-zen.
Wer ist die „Gen Z“ wirklich?
Die Generation Z (geboren ca. 1995 – 2010) stellt die Ausbildung vor neue Herausforderungen. Ihre Erwartungen an die Arbeitswelt und die Ausbildung unterscheiden sich deutlich von denen früherer Generationen. Wer erfolgreich ausbilden will, muss diese Bedürfnisse verstehen und aktiv darauf eingehen. Bevor über Methoden gesprochen werden kann, muss die Lebensrealität verstanden werden.
- Sicherheit vor Risiko: Sie sind in Krisenzeiten (Klima, Pandemie, Wirtschaft) aufgewachsen. Stabilität ist ihnen oft wichtiger als das große Abenteuer.
- Sinnstiftung: Die Frage nach dem „Warum“ ist kein Zeichen von Respektlosigkeit, sondern ein Bedürfnis nach Relevanz.
- Verschwimmende Grenzen: Arbeit ist Teil des Lebens, aber nicht das ganze Leben (Work-Life-Blending statt klassischer Trennung).
Handlungsmöglichkeiten im Ausbildungsprozess der Generation Z
1. Work-Life-Balance und Freizeitwert
Für die Gen Z ist die Arbeit oft nicht das zentrale Element der Identität. Die Freizeit hat einen hohen Stellenwert. Sie lehnen das „Überstunden-Prinzip“ ab und erwarten, dass ihre vertraglich geregelte Arbeitszeit eingehalten wird.
Handlungsmöglichkeiten:
- Planungssicherheit schaffen: Sorgen Sie für stabile und frühzeitige Dienstpläne. Kurzfristige Änderungen sollten die Ausnahme bleiben.
- Wertschätzung zeigen: Wenn Überstunden notwendig sind, kommunizieren Sie klar den Grund und bieten Sie zeitnah einen Ausgleich an (flexible Arbeitszeiten/Gleitzeit, sofern möglich).
- Arbeitszeitmodelle prüfen: Im Handel können dies feste Wochenenden sein, im Handwerk der Versuch, die 40-Stunden-Woche konsequent einzuhalten.
- Mobiles Ausbilden: Der Wunsch nach Flexibilität und dem Abweichen von strikten Arbeitszeiten ist bei der Generation vorhanden. Wo sinnvoll und rechtlich möglich, können Elemente des mobilen oder digitalen Lernens (z. B. für Theorie- oder Dokumentationsaufgaben) die Attraktivität erhöhen.
2. Sinnhaftigkeit
Die Gen Z fragt nicht nur was sie tun soll, sondern vor allem warum. Sie sucht nach einem sinnvollen Beitrag und möchte wissen, wie ihre Arbeit das große Ganze beeinflusst (Stichwort Purpose).
Handlungsmöglichkeiten:
- Den „Why-Faktor“ erklären: Beginnen Sie Anweisungen nicht mit dem Was, sondern mit dem Ziel (dem Warum). Beispiel: „Wir bereiten die Produktbeschreibung im Shop heute vor, damit wir die Retourenquote senken und die Kunden besser informieren."
- Bezug zum Gesamterfolg herstellen: Zeigen Sie den Azubis, wie ihre Aufgabe zur Kundenzufriedenheit, zum Unternehmenserfolg oder zur Nachhaltigkeitsstrategie beiträgt.
- Verantwortung übertragen: Lassen Sie Azubis eigene kleine Projekte verantworten (z. B. Social-Media-Kanal für Azubis, Test neuer Arbeitsmaterialien), um die Sinnhaftigkeit direkt zu erleben.
3. Flexibles und Selbstgesteuertes Lernen
Die Generation ist mit digitalen Medien aufgewachsen und gewohnt, sich Wissen schnell und flexibel anzueignen (z. B. YouTube, Tutorials). Sie erwarten kurze, prägnante Lerninhalte und wollen ihr Lerntempo oft selbst bestimmen.
Handlungsmöglichkeiten:
- Lernformate diversifizieren: Kombinieren Sie praktische Anleitungen mit digitalen, kurzen Lernmodulen (Microlearning). Bieten Sie interne Lernvideos oder digitale Checklisten an.
- Selbstgesteuertes Lernen fördern: Erlauben Sie Azubis, sich bestimmte Fachthemen eigenständig zu erarbeiten und sie dann dem Team zu präsentieren.
- Eigenverantwortung durch Leitplanken: Geben Sie Ziele vor, aber lassen Sie den Weg dorthin offen. Das fördert die Kreativität und das Selbstvertrauen.
- Digitale Tools nutzen: Arbeiten Sie mit Azubi-Apps, digitalen Berichtsheften oder Wissensdatenbanken (z. B. auf dem Firmen-Tablet), um den Zugang zu Informationen zu erleichtern.
4. Raus aus der Hierarchie: Vom Vorgesetzten zum Mentor bzw. zur Mentorin
Für die Gen Z ist die starre Hierarchie des Handwerks oder des traditionellen Handels oft ein Auslaufmodell. Sie suchen keine Vorgesetzten, sondern Mentoren.
Handlungsmöglichkeiten:
- Ehrlichkeit: Ausbilder punkten mit authentischer Führung und ehrlicher Kommunikation über Herausforderungen im Betrieb. Die Gen Z schätzt Transparenz mehr als Fassade.
- Feedbackschleifen verkürzen: Geben Sie häufig, aber kurz und konkret Rückmeldung („Quick Feedback“), anstatt einmal im Quartal ein langes Mitarbeitergespräch zu führen.
- Persönliche Entwicklung: Ausbilder sollten stärker als bisher auf die individuellen Stärken und Karrierepläne der Azubis eingehen und diese aktiv fördern.
Die 4 Säulen der erfolgreichen Ausbildung
Um die Zusammenarbeit zu optimieren, sollten Sie diese vier Bereiche aktiv gestalten:
| Säule | Fokus | Praxistipp |
|---|---|---|
| Kommunikation | Direkt, transparent und digital | Nutzen Sie Messenger-Tools für Kurzinfos, aber bleiben Sie bei Feedback persönlich. |
| Feedback-Kultur | Häufig und kleinteilig | Warten Sie nicht auf das Quartalsgespräch. Kurze Check-ins (5 Min.) wirken Wunder. |
| Technologie | State-of-the-Art | Nichts frustriert diese Generation mehr als veraltete Software oder analoge Prozesse ohne Grund. |
| Führung | Coach statt Boss | Begleiten Sie den Lernprozess, statt nur Anweisungen von oben zu geben. |
Tipp für die Azubisuche: Digitales Marketing
Die Suche nach einem Ausbildungsplatz findet auf Instagram und TikTok statt. Betriebe, die dort nicht authentisch und zeitgemäß präsent sind, bleiben unsichtbar. Azubis selbst können hier oft die besten Botschafter sein – nutzen Sie deren Kompetenz!
Zusammenfassung:
Um die knappen Ausbildungsplätze zu besetzen und die Azubis bis zum Abschluss zu halten, müssen sich Ausbildungsbetriebe grundlegend anpassen. Die Generation Z – Azubis von heute – stellt die klassische Ausbilder-Rolle auf den Prüfstand.
Der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit der Generation Z liegt in der Wertschätzung ihrer Bedürfnisse nach Lebensqualität, sinnvoller Arbeit und modernem Lernen. Ausbilder, die diese Punkte berücksichtigen, gewinnen nicht nur Azubis, sondern binden auch die Fachkräfte von morgen.
Quellen
Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet (IHK): Gen Z - Zu wenige Azubis? So erreichen Sie die Gen Z! - IHK Mittleres Ruhrgebiet
Westermann: Erwartungen an den Ausbildungsbetrieb - Was erwarten Jugendliche von ihrem Ausbildungsbetrieb? Oder: 10 Dinge, die Azubis lieben! – Westermann
Fachstelle Übergänge in Ausbildung und Beruf (Überaus/bibb): Ausbildungskultur bei Gen Z - Wertschätzende betriebliche Ausbildungskultur für die Generation Z - ueberaus.de
